G’Bye, see ya.

Wie gut, dass ich nach der Kletterpartie gestern heute nur noch packen muss. Dazu braucht man immerhin die Beine nicht und die fühlen sich heute so an, als wäre ich damit knapp vier Wochen lang Rad gefahren.

Der Namenspatron: Abel Tasman als Denkmal im Salamanca Park.

Der Namenspatron: Abel Tasman als Denkmal im Salamanca Park.

Anders als bei früheren Reisen brauchte ich diesmal auch kein Verpackungsmaterial auftreiben. Radtasche, Rucksack und Kleinkram haben drei Wochen friedlich hier im Hotelkeller verbracht. Das Rad ist auch schon zerlegt und verpackt, beim Rest könnte ich schwören, dass das niemals alles in die beiden kleinen Taschen passen kann, aber ging die ganze Zeit, muss also auch noch ein letztes Mal hinhauen. Dazugekommen ist jedenfalls nichts. Hab die letzten Tage nach einem netten Andenken Ausschau gehalten, aber dank Globalisierung gibt es – abgesehen von abscheulichem Tourikram – im Grunde nichts zu kaufen, das es nicht auch zuhause gäbe. Das exotischste, das ich im Radladen finden konnte, war ein deutsches und ein schweizer Meistertrikot…

So muss ich also mein letztes Geld schweren Herzens in Bier anlegen.

Einer gewissen Tradition entsprechend fällt dieses Restgeld mal wieder üppiger aus als gedacht. Hab die letzten Tage immer gerechnet, ob ich mit der Barschaft auskomme, oder nochmal zum Automaten muss. Kaum hatte ich alles so hingerechnet, dass ich mit eisernem Sparkurs gerade so hinkomme, fanden sich in einem Seitenfach der Brieftasche noch ein paar Scheine Reserve, die ich längst vergessen hatte. Die verprasse ich heute abend unten an der Theke. Morgen mittag fährt dann der Airport-Bus, für mich bleibt eine Weile die Zeit stehen und irgendwann am Sonntag spuckt mich Emirates in Hamburg wieder aus.

Und dann besitze ich wieder mehr als drei T-Shirts, eine eigene Küche und stoße nicht mehr mit Leuten auf der Treppe zusammen, weil ich immer noch nach rechts ausweiche. Kaum zu glauben.

In diesem Sinne vielen Dank für’s Mitlesen und Kommentieren. Wir sehen uns ja dann ganz bald daheim.

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plakette

Königsetappe

So richtig vollständig wäre der Radausflug nach Hobart ja wirklich nicht gewesen ohne einmal zum Hausberg Mount Wellington hochgefahren zu sein.

Mount Wellington von unten. Das Tagesziel ist der knubbel oben auf dem Berg.

Mount Wellington von unten. Das Tagesziel ist der Knubbel oben auf dem Berg.

Also hab ich mich aufgemacht, auch wenn der Wetterbericht eher ein bisschen mittel war. Beim Losfahren hatte ich noch Sorge, ob der Gipfel bei 1271 Metern nicht in den Wolken stecken würde. Zwei Stunden später auf den letzten zwei Kilometern war eher die Frage, ob mich der Wind oben einfach am Gipfel vorbei weht.

Auf halber Höhe: Weltklasse-Helmfrisur

Auf halber Höhe: Weltklasse-Helmfrisur

Ein atemberaubender Sturm ging da oben um – fast so beeindruckend, wie der Blick von oben über die Bucht von Hobart. Allerdings muss ich zugeben, dass ich diese Aussichtsplattformen da oben besser vor zwanzig Jahren besucht hätte, als ich noch nicht solche Höhenangst hatte.

hobartviewWie immer hab ich oben ein dutzend Leute getroffen, die meinten, es sei doch bestimmt viel toller, runter zu fahren als rauf und wie immer wollte keiner glauben, dass 1200 Höhenmeter runterfahren von beschränktem Reiz ist. Steil, holperig und voller enger Kurven – immerhin hat’s runter nur ne gute halbe Stunde gedauert.

felsenview
Weil es danach noch recht früh war, habe ich den kleinen Mount Nelson gleich hintendran gehängt. Allein schon, weil mich gewundert hat, dass hier in einer Überseekolonie, die von Anfang an von der Seefahrt abhing, der größere Berg nach dem Sieger einer Landschlacht benannt wird und für den Seeheld Nelson nur ein kleiner Hügel übrig bleibt.

Die Erklärung kann man schon an der Straße ablesen. Der Weg zum Mount Nelson ist für tasmanische Verhältnisse sehr flach – auf diesen Hügel ist man nämlich schon sehr früh mit Pferdefuhrwerken hochgefahren, weil oben schon 1811 eine Signalstation stand, die die ganze Bucht von Hobart überblickt hat und ein- und auslaufende Schiffe gemeldet hat. Zu dem Zeitpunkt hatte Wellington noch vier Jahre Zeit zum Üben, bevor er bei Waterloo berühmt wurde. Der Mount Nelson ist nicht so hoch, war aber damals viel wichtiger für die Kolonie.

Die Signalstation auf dem Mount Nelson. Wenn Besuch kam, wurde er von hier zuerst begrüßt.

Die Signalstation auf dem Mount Nelson. Wenn Besuch kam, wurde er von hier zuerst begrüßt.

Der Vollständigkeit halber muss ich allerdings noch erwähnen, dass der Mount Nelson gar nicht wirklich nach dem berühmten Seelord Nelson benannt ist, sondern nach dem Schiff „Lady Nelson“, das dabei war, als die ersten Siedler in Hobart gelandet sind. Der Berg müsste also genaugenommen heißen „Nelson seine Frau ihr Schiff ihr Berg“, aber das wäre sicher zu kompliziert, oder zu lang für das Straßenschild.

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